27. April 2014

Hunting and Gathering in Postindustrial Societies

Unsere Vorfahren waren Jäger und Sammler um zu überleben. Es machte durchaus Sinn für sie, alles zu behalten was sie fanden. Aber warum um alles in der Welt tun wir das immer noch in der westlichen Welt? Diese Frage stellte ich mir gestern während ich meine unsystematische Sammlung von allem durchging, um zu sehen, wo ich sie minimieren könnte. Nachdem ich einiges weggeworfen hatte, was mir nicht mehr gefällt, versuchte ich den Rest zu kategorisieren. Vergebens. Ich habe wirklich alles: Papier, Postkarten, Fotos aus Magazinen, Visitenkarten, Umschläge, Verpackungen, Streichholzschachteln, ... Schließlich habe ich einige Teile fotografiert und versucht, ihre Bedeutung für mich zu ergründen. Dann fragte ich das Internet, warum ich sammle. Das hätte ich vielleicht besser gelassen, denn Wikipedia gab mir gleich eine Liste psychischer Störungen, die einem Sammeltrieb zugrunde liegen könnten. Die englische Seite war deutlich freundlicher und betonte den entspannenden und bildenden Aspekt des Sammelns. Man werde durch Nachforschung und Kategorisierung zum Experten in einem Feld. Wundervoll. Ab heute möchte ich bitte offiziell Expertin für hübsches Papier und schöne Bilder genannt werden.

Our forefathers were hunters and gatherers to survive. It made absolutely sense for them to keep everything they found. But why on earth do we still do it in the Western world? This was the question to myself while I was sorting out my systemless collection of everything yesterday. After throwing out a bunch of stuff I once loved but don't fancy anymore I tried to categorize the remains. No chance. There is everything: paper, postcards, photographs from magazines, business cards, envelopes, packages, matchboxes, ... I took pictures of some items and tried to find out their meaning to me. Then I asked the internet about collecting things and why people do it. Maybe I shouldn't have done that because Wikipedia gave me a list of psychological disorders that could have led to my behavior. At least the German site. Americans are too polite for that. The English site rather emphasizes the relaxing and even educational aspects of collecting certain things. Through research and categorization you become an expert in a field. Sounds sweet. So please call me an expert in pretty paper and pictures from now on.

Wenn ich diese Gegenstände betrachte, muss ich allerdings zugeben, dass sie mich in keinem Feld zum Experten machen. Sie erzählen schlicht meine Lebensgeschichte. Eine Geschichte von Migration und zahlreichen Reisen, eine Geschichte der Liebe für das gedruckte Wort und Illustrationen. Als ob ich vergäße wer ich bin, wenn ich all diese Dinge nicht aufhöbe. Ich sammle keine Souvenirs, ich behalte die Fahrkarten wenn ich reise. Außerdem sind die Farben schön. Ich kann keine schönen Farben wegwerfen.

Looking at these items I don't think they make me an expert of anything though. It's rather the story of my life. A story of immigration and travel, a story of the love of the printed word and illustrations. As if I forgot about myself if I did not keep all this. I don't collect souvenirs, I keep the tickets when I travel. And the colors are pretty. I can't throw away pretty colors.
Farben erklären auch meine Sammlung "alten" Papiers. Ich finde sie beruhigend. Zudem fühlen sich ungestrichenes Papier und Hochdruck so schön an. Ach, und das Geräusch von knisterndem Seidenfutter in schicken Briefumschlägen!

Colors also explain my collection of "old" paper stuff. They have a soothing effect on me and I love the touch of uncoated paper and letterpress printing. Oh, and the crunching sound of the fine paper lining of fancy envelopes!
Es gibt einen Ort in unserer Wohnung, wo ein Teil meiner Papier- und Bildersammlung ausgestellt sind, an der Eingangstür. Die meisten der Bilder dienen mir schlicht als grafische oder fotografische Inspiration, aber einige kleine Teile sind Erinnerungsträger. Langsam wird mir klar, dass ich im Grunde Erinnerungen sammle. Ich will sie nicht verlieren. Das ist übrigens eine psychologische Erklärung des Sammeltriebs - die Angst vor Verlust. Als ich vier Jahre alt war, ist meine Familie nach Deutschland gezogen und ich verlor meine gesamte gewohnte Umgebung. Jetzt sammle ich alle Spuren meines Lebens. Sollte ich ein weiteres Mal alles Gewohnte verlieren, kein Problem. Ich würde mein Leben in eine Mappe packen und losziehen. Fazit: Mein Sammeltrieb ist völlig rational. Nicht wahr?

Legende zum Bild:
  1. Eine Postkarte aus Amerika an eine Familie in Rumänien. Als Kind gefunden hinter dem Plattenbau meiner Großeltern.
  2. Ein Relikt aus meiner Zeit bei Starbucks, wo ich ein Jahr lang als Schichtleiterin gearbeitet habe.
  3. Schokoladenverpackung von einem Schoko- und Weinseminar. Wir haben dort ein wundervolles altes Ehepaar kennengelernt. So will ich auch alt werden, witzig und gut gelaunt.
  4. Eine Jonathan Adler Einrichtung. Ich liebe seinen eklektischen Stil. Nichts passt zusammen und doch alles.
  5. Eine Zuckertüte aus Österreich, mitgenommen von unserer Hochzeitsreise. Ich liebe die aufwendige Typographie. 
  6. Eine Postkarte von Jan Henkel. Er ist ein guter Freund und mein Lieblings-Postkartendesigner. Ich habe immer einen Stapel seiner Karten zu Hause.
There is one space in our apartment where parts of my collections are on display. It's on the entrance door. Most of the pictures there are graphic and photographic inspiration. But some little items carry memories. It slowly dawns on me that I basically collect memories. I don't want to lose them. That is one psychological explanation for collecting things, by the way. Fighting the fear of loss. When I was four years old my family moved to Germany and I lost my entire familiar environment. Now I keep paper traces of everything in my live. Should I lose my surroundings again, no prob. I'll just pack my whole life in a folder and take it with me. So my drive to collect stuff is simply practical in the end, right?

Legend to the picture:
  1. A postcard from America to a family in Romania. Found as a kid behind the apartment building of my grand parents.
  2. A relic from my year as shift supervisor at Starbucks.
  3. Chocolate packaging from a chocolate and wine seminar. We met a wonderful old couple there. When I'm old I want to be like them, witty and good humored. 
  4. Interior design by Jonathan Adler. I love his eclectic style. Nothing seems to fit and yet everything does.
  5. A sugar bag from Austria, kept from our honeymoon. I love the elaborate typography.
  6. A postcard by Jan Henkel. He is a good friend of mine and also my favorite postcard designer. I always have a stack of his cards at hand.

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